Stromtrassen im Coburger Land

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12. November 2015 | Energiepolitik

Die Bewältigung des Klimawandels ist eine der zentralen Aufgaben für unsere Gesellschaft im 21. Jahrhundert. Von zentraler Bedeutung ist dabei auch die Ablösung fossiler Energieträger durch regenerative Energien. Ursprünglich hatte die rot-grüne Bundesregierung in den früheren 2000er-Jahren die Energiewende eingeleitet. Unverständlicherweise hatte die nachfolgende Bundesregierung aus CDU/CSU und FDP diese verzögert und gestoppt. Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima revidierten Merkel, Westerwelle & Co. ihre Entscheidung. Aufgrund der verschiedenen Kurswechsel ging wichtige Zeit verloren.

Breiter Konsens dabei ist aber mittlerweile, dass die „Energiewende“ in Deutschland nicht gänzlich ohne die Errichtung neuer Stromtrassen zur Verteilung der gewonnenen regenerativen Energie von statten gehen kann. Steigendem Bahn- und Autoverkehr muss insoweit schließlich auch mit dem Bau neuer Zugtrassen und Autobahnen begegnet werden. Dies ist insbesondere auch in unserer Region kaum übersehbar wahrzunehmen.

Aus diesem Grund wurde im Sommer 2015, u.a. auch auf Drängen der CSU-Staatsregierung, beschlossen bei der Errichtung neuer Stromtrassen soweit wie möglich auf eine Bündelung von Trassen zu setzen und wo möglich eine Erdverkabelung vorzunehmen.

Insoweit ist es erst mal nicht abwegig, wenn die Netzbetreiber im Netzentwicklungsplan 2025 nun weitere Trassen entlang der derzeit im Bau befindlichen Trasse durch das Coburg Land als Möglichkeiten darstellen, diese aber zugleich als leitungstechnisch zweite oder gar dritte Wahl bezeichnen.

Vollkommen inakzeptabel ist es jedoch, wenn hier (parallel) neben der derzeit im Bau befindlichen Stromtrasse eine oder gar zwei weitere Schneisen für Stromtrassen durch die Landschaft in unserer Region geschlagen werden sollen, ist insbesondere der östliche Landkreis Coburg doch schon jetzt sehr stark durch Infrastrukturgroßprojekte betroffen.

Akzeptabel erscheint daher aus unserer Sicht allenfalls, die derzeit im Bau befindliche Trasse - so naturverträglich als möglich zu ertüchtigen -, wenn nötig diese auch nach Abbau der montierten Masten mit geeigneteren Masten neu zu errichten, auch wenn dies auf dem ersten Blick einem Schildbürgerstreich gleich käme. Schließlich baut man aber auch keine neue 2-spurige Autobahn im Abstand von einigen Metern neben eine bereits bestehende Autobahn, sondern ertüchtigt eine 2-spurige zu einer 3- oder 4-spurigen Autobahn.

Auch eine Erdverkabelung ist, wie von den CSU-Abgeordneten Herrn Michelbach und Frau Zeulner gefordert, aus ästhetischer Hinsicht nicht die geniale Lösung. Das Problem beginnt schon dort, wo die Leitungen in die Erde überführt werden müssen. Die entsprechenden Konverter sind ungefähr so platzgreifend wie ein Fußballfeld. Für die Verlegung der Erdkabel ist ein gewaltiger Eingriff in die Landschaft notwendig, der dem Bau einer großen Bundestraße gleichkommt. Kommt es im Betrieb zu einem Schaden muss der Boden aufgegraben werden. Also müssen die Flächen oberhalb eines Erdkabels frei bleiben.

Es gilt daher in einem breiten gesellschaftlichen Bündnis über alle Parteigrenzen hinweg die Errichtung weiter Stromtrassen neben der bereits im Bau befindlichen Stromtrasse zu verhindern. Kritik an den Netzbetreibern ist dabei insoweit berechtigt, als diese sehenden Auges in den vergangen Monaten eine möglichweise unterdimensionierte Trasse vorangetrieben haben, obwohl Ihnen der Auftrag der Bündelung bewusst war.

Allein mit einem NEIN zu weiteren Stromtrassen in unserer Region, ist es aber nicht getan.

Um die Energiewende tatsächlich zu einem Erfolg zu führen bedarf es weiterer konkreter Maßnahmen, wie dem Ausbau intelligenter und regionaler Netze, dem Ausbau und der Förderung von Speichertechniken oder dem Ausbau der möglichen Techniken „Umwandlung von Strom zu Wärme“ und Nutzung dieser Wärme über Elektro- oder Wäremepumpenheizungen und „Umwandlung von Strom zu Gas“ und Verteilung des gewonnenen Gases über das bestehenden Gasnetz.

Hier trennt sich schließlich die Spreu vom Weizen. Wer keine Stromtrassen, keine Windkraftanlagen, keine Freiflächen-Photovoltaikanlagen entlang der Autobahnen oder an den Bahntrassen und insbesondere keine Atomkraft möchte, muss die Energieerzeugung auf andere Art und Weise sicherstellen und darlegen, wie er dies bewerkstelligen will.

Dies vermissen wir jedoch überwiegend bei den durchaus verständlichen „Dagegen“-Erklärungen unserer politischen Mitbewerber, insbesondere derer der CSU, der vergangenen Tage.

Denn gerade unsere stark industrialisierte Region mit den Autozulieferern und Maschinenbauern in Coburg Stadt und Land und den Glashütten im oberen Kronacher Landkreis ist existentiell auf eine zuverlässige und permanente Stromversorgung angewiesen.

Aus diesem Grund würden wir uns eine differenziertere Betrachtungsweise, insbesondere durch den politischen Mitbewerber CSU, bei der Diskussion um den Bau weiterer Stromtrassen im Coburger Land wünschen, trägt dessen Irrlichtern bei der Energiewende doch maßgeblich zu den nun abermals zu diskutierenden Aspekten bei.

Thomas Rausch
Vorsitzender SPD Unterbezirk Coburg/Kronach

Dominik Sauerteig
Stv. Vorsitzender Jusos Unterbezirk Coburg/Kronach

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